Eine Infratest dimap-Umfrage für die ARD sah die CDU bei 7 %, hinter der AfD mit 38 %, der regierenden SPD mit 33 % und der Linken mit 9 %. Eine INSA-Umfrage wies die CDU in der Folge ebenfalls bei 7 % aus. Die jüngste Umfrage der ZDF/Forschungsgruppe Wahlen, veröffentlicht am 17. September, liegt sogar noch niedriger: CDU 6 %, SPD 37 %, AfD 36 %, Linke 9 %, Grüne 5 % und BSW 4 %. Umfragen sind keine Wahlergebnisse, und da mehrere kleinere Parteien nahe an der 5-Prozent-Hürde liegen, bleibt die endgültige parlamentarische Arithmetik ungewiss. Doch der Trend für die CDU ist unverkennbar.
Das Ausmaß des Niedergangs wird im Vergleich zu früheren Wahlen noch deutlicher. Die CDU holte 2021 in Mecklenburg-Vorpommern 13,3 %, was damals bereits als schwaches Ergebnis galt. Im Jahr 2016 erhielt sie 19 %. In den frühen 2000er Jahren kämpfte die Partei regelmäßig um die Regierungsverantwortung. Ein Ergebnis um die 7 % würde ihr Resultat von 2021 in etwa halbieren und wäre laut NDR das schlechteste Ergebnis der CDU bei einer deutschen Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik.
Die unmittelbare Gefahr ist mathematischer Natur. Deutschlands Landtage verlangen von den Parteien in der Regel das Überspringen einer 5-Prozent-Hürde. Bei 6 oder 7 % ist die CDU so nah dran, dass normale Umfragefehler ins Gewicht fallen. Das ZDF stellt fest, dass seine Erhebungen bei Parteien, die um die 10 % liegen, eine Unsicherheit von etwa zwei Prozentpunkten aufweisen. Das bedeutet, dass es nicht mehr nur um die Frage geht, ob die CDU auf dem vierten Platz landet: Parteifunktionäre diskutieren offen über die Möglichkeit, dass sie den Einzug in das Schweriner Schloss ganz verfehlen könnte. CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters bezeichnete den Wahlkampf als Existenzkampf für die Partei im Land.
Der Zusammenbruch lässt sich nicht durch einen Faktor allein erklären. Mecklenburg-Vorpommern ist für die CDU seit langem ein schwieriges Pflaster, während SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig persönlich beliebt bleibt. In den jüngsten Umfragen hat sich die SPD kurz vor der Wahl deutlich erholt und den Wettbewerb zunehmend in eine direkte Entscheidung zwischen Schwesig und dem AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm verwandelt. Kleinere Parteien riskieren, zerrieben zu werden, da sich die Wähler auf die beiden führenden Lager konzentrieren.
Doch auch die Bundespolitik überschattet den Wahlkampf. Reuters berichtet, dass CDU-Funktionäre besorgt sind, dass die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz der Partei im Land schade. Bundesweit ist die Zustimmung für die CDU/CSU in mehreren aktuellen Umfragen auf rund 18–20 % gesunken, während die AfD bei 27–29 % gemessen wurde. Merz hat Versuche zurückgewiesen, seine Zukunft direkt an einzelne Landtagswahlen zu knüpfen, doch das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern folgt unmittelbar auf die schwere Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt und fällt auf denselben Tag wie die Wahl in Berlin.

Die Situation ist besonders symbolträchtig, da Mecklenburg-Vorpommern über Jahrzehnte die politische Heimat von Angela Merkel war. Einst verfügte die CDU über eine der mächtigsten politischen Figuren Deutschlands, die das Land auf Bundesebene vertrat; heute kämpft sie lediglich darum, sicher über der Parlamentshürde zu bleiben.
Auch der wirtschaftliche Hintergrund spielt eine Rolle. Mecklenburg-Vorpommern bleibt wirtschaftlich eines der schwächeren Bundesländer Deutschlands, mit Sorgen über Löhne, die Gesundheitsversorgung, die ländliche Infrastruktur, Kraftstoffpreise und den demografischen Wandel. Reuters berichtet, dass diese existenziellen Alltagsthemen neben der Migration und der Unzufriedenheit mit Berlin einen Großteil des Wahlkampfs dominiert haben.
Für die AfD bietet das Land eine weitere Gelegenheit zu demonstrieren, dass sich ihre Stärke in Ostdeutschland strukturell verfestigt. Für die SPD bietet Schwesigs persönliches Ansehen die Chance, trotz der deutlich schwächeren Bundesposition der Partei die Kontrolle über die Landesregierung zu behalten. Für die CDU hingegen ist die Zielsetzung wesentlich elementarer geworden.
Sie muss erst einmal beweisen, dass sie in einem Land, in dem sie einst um die Macht mitspielte, noch über eine nennenswerte politische Basis verfügt. Der Sonntag wird entscheiden, ob 6–7 % lediglich ein Umfragetief waren – oder der Beginn einer viel tiefergehenden Debatte innerhalb der CDU darüber, warum eine der traditionellen deutschen Volksparteien aus Teilen des Ostens verschwindet.




