Der Auslöser war brutal. Die AfD holte in Sachsen-Anhalt 43,8 %, während die CDU auf 17,2 % abstürzte – ein Ergebnis, das jede Möglichkeit zunichtemachte, die Niederlage als routinemäßigen Protest zur Mitte der Legislaturperiode abzutun. (
In Großbeeren, einer traditionellen CDU-Hochburg in Brandenburg, unterzeichneten 33 Parteimitglieder – darunter Bürgermeister Martin Wonneberger – einen offenen Brief an Merz, in dem sie einen grundlegenden Kurswechsel forderten. Ihre Argumentation war besonders schmerzhaft, da sie eine der bequemsten Erklärungen für den Aufstieg der AfD zurückwies.

„Wir verlieren keine Wähler, weil diese Menschen plötzlich radikal geworden sind“, argumentierte die Gruppe im Kern. Sie sagten, die Wähler wanderten ab, weil sie das Vertrauen in die CDU und in die Fähigkeit der etablierten Politik verloren hätten, Alltagsprobleme zu lösen.
Der Brief verweist direkt auf Versprechen, die Merz vor seinem Amtsantritt gemacht hatte: die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, Energie billiger zu machen, Bürokratie abzubauen, die Migration effektiver zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass sich Arbeit lohnt. Die Frage an der Basis ist simpel: Was ist davon tatsächlich bei den Wählern angekommen?

Die Rebellion breitet sich geografisch aus.
CDU-Kreisvorsitzende in Sachsen haben einen beschleunigten „Neustart“ der Partei und einen Sonderparteitag vor dem geplanten November-Termin der Parteiführung gefordert. Sie verlangen eine schnelle und schonungslose Analyse darüber, warum das Vertrauen in die Partei und die Bundesregierung so drastisch gesunken ist.

In Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September eine weitere Landtagswahl ansteht, ging der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Tino Schomann noch weiter und forderte offen den Rückzug von Merz als Kanzlerkandidat. Seine Kritik folgte auf eine seiner Meinung nach nicht überzeugende Reaktion auf die Niederlage in Sachsen-Anhalt.

Merz selbst hat Versäumnisse bei der Vermittlung der Ziele seines Reformprogramms eingeräumt. Doch die interne Kritik deutet zunehmend darauf hin, dass die Kommunikation nicht der Kern des Problems ist.

Merz muss gehen
Merz muss gehen

Die CDU-Basis stellt die politischen Ergebnisse infrage.
Deutschland ist weiterhin durch schwaches Industriewachstum, hohe Energiekosten, eine schwierige Migrationspolitik und eine Regierung belastet, die Rekordschulden vorbereitet, während sie noch über Steuern und Sozialkürzungen debattiert. Der AfD ist es gelungen, diese Themen in ein einziges Anti-Establishment-Narrativ zu verwandeln. Das Problem für Merz ist, dass viele CDU-Aktivisten nun fürchten, ihre eigene Partei habe keine ebenso klare Gegenerzählung.

Deshalb sind die Spekulationen über eine alternative konservative Führung zurückgekehrt, wobei Namen wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst und der Bayer Markus Söder fallen. Bisher gibt es keine organisierte Herausforderung der Parteiführung, und Medienspekulationen sollten nicht mit einem tatsächlichen Putsch innerhalb der CDU verwechselt werden.

Doch Führungsdebatten beginnen selten mit einer offiziellen Erklärung.
Sie beginnen, wenn Ortsverbände offene Briefe schreiben, Regionalpolitiker einen Neustart fordern, sich Wahlniederlagen häufen und potenzielle Nachfolger ernsthaft diskutiert werden.

Der nächste Test folgt schnell. Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September. Sollte die CDU in beiden Ländern schlecht abschneiden, wird es für Merz immer schwieriger zu argumentieren, dass Sachsen-Anhalt eine isolierte Katastrophe war.
Im Moment steht der Großteil seiner Partei noch hinter ihm.
Die wichtigere Frage ist, ob sie noch daran glaubt, dass er den Trend umkehren kann.