Die Umfragewerte von Friedrich Merz sind auf 13 % abgestürzt – der niedrigste Wert für einen deutschen Bundeskanzler in fast drei Jahrzehnten der Meinungsumfragen. Dies ist kein flüchtiger Stimmungsumschwung. Es ist ein Urteil über eine gescheiterte Regierungsführung, gebrochene Versprechen und eine Wirtschaft, die sich vor den Augen der Nation sichtlich auflöst.

Eine Bilanz der Unzufriedenheit

Merz trat sein Amt im Mai 2025 mit dem Versprechen eines entscheidenden „politischen Wechsels“ an. Doch bis zu seinem ersten Jahrestag erreichte das Wachstum kaum 0,2 %. Im April 2026 halbierte die Regierung ihre Wachstumsprognose auf lediglich 0,5 %. Inzwischen sagen 78 % der Deutschen, dass sie mit seiner Leistung unzufrieden sind, und 80 % lehnen seine Koalitionsregierung rundweg ab. Selbst unter seinen eigenen CDU-Anhängern sehen ihn 54 % negativ.

„Die Regierung startete mit relativ hohen Erwartungen“, erklärte der Meinungsforscher Peter Matuscheck gegenüber EFE. „Diese wurden relativ schnell enttäuscht.“ Laut dem Präsidenten des New Social Problem Research Institute könnte der Niedergang der Koalition mittlerweile „irreversibel“ sein.

Wirtschaftliche Stagnation und industrieller Kollaps

Die Zahlen erzählen eine brutale Geschichte. Deutschlands industrielle Auftragseingänge schrumpften allein im April 2026 um 3,8 %. Doch das eigentliche Symbol der Krise ist Volkswagen: Der Konzern hat Pläne angekündigt, bis zu 100.000 Stellen abzubauen und vier inländische Werke zu schließen – der größte Stellenabbau in seiner Geschichte. Auch BMW und Mercedes-Benz kürzen die Kosten; Zulieferer wie Bosch, wo 18.500 Entlassungen geplant sind, ziehen nach.

Tausende demonstrieren in Berlin und fordern den Rücktritt von Kanzler Merz.
Tausende demonstrieren in Berlin und fordern den Rücktritt von Kanzler Merz.

Unterdessen wandert das Siegel „Made in Germany“ leise ab. Zwischen 2021 und 2023 verlagerten fast 1300 mittelständische Unternehmen ihre Produktion ins Ausland. In diesem Jahr planen 43 % der deutschen Industrieunternehmen, im Ausland zu investieren – der höchste Wert seit 2003 – primär um den heimischen Kosten zu entfliehen.

Die Krise zieht sich durch alle Lager: SPD-Anhänger zeigen eine Unzufriedenheit von 83 % mit Merz, während sie bei den Anhängern der Grünen 92 % erreicht. Selbst unter Wählern der extremen Linken und Rechten lehnen ihn 98 % ab.

Rhetorik ohne Reformen

Die Agenda von Merz konzentrierte sich stark auf die Verteidigung und forcierte eine Erhöhung der Militärausgaben auf 3,5 % des BIP bis 2029. Kritiker haben ihn aufgrund seines internationalen Fokus als „Außenkanzler“ verspottet, während innenpolitische Reformen auf der Strecke bleiben. Ein im Juli vorgestelltes Wirtschaftsreformpaket versprach zwar 34 Maßnahmen, doch Experten bezeichnen diese als unzureichend. Das Handelsblatt nannte sein erstes Jahr ein „verlorenes Jahr“. Wie Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) feststellte: „Die Regierung hat die so dringend notwendigen Reformen noch nicht angepackt. Sie hat diese Aufgaben seit fast einem Jahr beiseite gelassen“.

Da die AfD nun mit 28 % in den Umfragen führt, gegenüber 20 % für die CDU, und die Landtagswahlen im September bevorstehen, erscheint die politische Zukunft von Merz zunehmend prekär. Ein Kanzler, der von kaum jedem achten Deutschen unterstützt wird, kann kein Land regieren, dessen industrielle Basis leise erodiert. Dies ist keine Leistungskrise – es ist eine Abrechnung.