Die Online-Beratungsplattform JustAnswer wurde zur Zahlung von 10 Millionen AU$ verurteilt, nachdem ein australisches Gericht festgestellt hatte, dass das Unternehmen Verbraucher über die tatsächlichen Kosten seines Dienstes getäuscht hat. Dies erhöht den rechtlichen Druck auf das Unternehmen sowie auf seinen Gründer und CEO, Andrew „Andy“ Kurtzig.

Am 8. Juli 2026 ordnete das australische Bundesgericht an, dass JustAnswer LLC eine Strafe in Höhe von 10 Millionen AU$ zahlen muss, nachdem die Australian Competition and Consumer Commission ein Verfahren eingeleitet hatte. JustAnswer räumte Verstöße gegen das australische Verbraucherschutzgesetz ein, die irreführende Preisangaben und falsche Behauptungen über eine staatliche Zugehörigkeit betrafen.

Zwischen November 2022 und August 2025 wurden australischen Besuchern Nachrichten präsentiert, wonach sie JustAnswer für „nur 2 AU$“ beitreten könnten, wobei dieser Betrag als vollständig erstattungsfähig beschrieben wurde. In der Realität wurden die Kunden gleichzeitig für wiederkehrende Abonnements angemeldet, die zwischen 45 AU$ und 75 AU$ pro Monat kosteten, wobei die Zahlungen bis zur Kündigung fortliefen.

Das Gericht ordnete außerdem Rückerstattungen für berechtigte betroffene Verbraucher, eine Berichtigungsbekanntmachung, ein Programm zur Einhaltung des Verbraucherschutzrechts sowie eine einstweilige Verfügung an, die ähnliches Verhalten untersagt.

Der Fall ging über die Abonnementpreise hinaus. JustAnswer gab zudem zu, irreführende Angaben gemacht zu haben, die eine Verbindung zu australischen Regierungsinstitutionen suggerierten. Die Website verwendete Beschreibungen wie „Chatten Sie 1:1 mit einem Fair Work Ombudsman“, obwohl das Unternehmen keine solche Verbindung hatte. Ähnliche Behauptungen, die sich auf einen „AU Ombudsman“ bezogen, wurden ebenfalls als irreführend eingestuft.

Der Mann hinter JustAnswer

JustAnswer wurde von dem Unternehmer Andy Kurtzig gegründet, der weiterhin als CEO fungiert. Die Plattform baute ihr Geschäft darauf auf, zahlende Kunden mit Fachleuten zusammenzubringen, die Beratung in Bereichen von Medizin und Recht bis hin zu Veterinärmedizin, Buchhaltung und Technologie anbieten.

Das australische Urteil richtet sich jedoch gegen JustAnswer LLC und stellt keine persönliche strafrechtliche Verurteilung von Kurtzig dar.

JustAnswer zu 10 Millionen Australischen Dollar Strafe verurteilt

Dennoch ist in den Vereinigten Staaten ein weiteres hochsignifikantes Verfahren anhängig – und dieses Mal wird Kurtzig selbst als Beklagter genannt.

Im Januar 2026 verklagte die US-amerikanische Federal Trade Commission sowohl JustAnswer LLC als auch Andrew Kurtzig individuell und in seiner Eigenschaft als leitender Angestellter des Unternehmens. Die FTC behauptet, dass Verbraucher durch Angebote angelockt wurden, die fachliche Unterstützung für lediglich 1 oder 5 Dollar versprachen, dann aber ohne angemessene informierte Zustimmung für Abonnements angemeldet wurden, die zwischen 28 und 125 Dollar pro Monat kosteten.

Die FTC fordert finanzielle Entschädigungen für Verbraucher, zivilrechtliche Strafen und eine dauerhafte Unterlassungsverfügung. Wichtig ist jedoch, dass dieses Verfahren mit Stand August 2026 noch anhängig ist, was bedeutet, dass die Anschuldigungen gegen Kurtzig noch nicht zu einem Urteil oder einer Verurteilung geführt haben. Kurtzig hat beantragt, die FTC-Klage abzuweisen.

Auch private Rechtsstreitigkeiten folgten auf ähnliche Vorwürfe. So behauptet beispielsweise eine in Kalifornien eingereichte US-Sammelklage, dass ein Verbraucher unwissentlich für ein wiederkehrendes JustAnswer-Abonnement angemeldet wurde und letztlich mehr als 1.000 Dollar an Gebühren bezahlte.

Was diesen Fall besonders bedeutsam macht, ist die Tatsache, dass JustAnswer die Verstöße gegen das australische Verbraucherschutzgesetz eingeräumt hat, anstatt lediglich mit ungeklärten Anschuldigungen konfrontiert zu sein.

Gleichzeitig wirft das parallele FTC-Verfahren eine größere Frage auf. Regulierungsbehörden auf zwei Kontinenten haben bemerkenswert ähnliche Aspekte des Abonnementmodells von JustAnswer beanstandet. Australien hat bereits eine Strafe von 10 Millionen AU$ verhängt; in den Vereinigten Staaten liegt die rechtliche Verantwortung sowohl des Unternehmens als auch von Andy Kurtzig persönlich nun vor einem Bundesgericht.

Für ein Internetunternehmen, das darauf ausgerichtet ist, Verbrauchern Expertenantworten zu liefern, könnte die folgenreichste unbeantwortete Frage nun eine sein, die von den Gerichten selbst entschieden wird.