Das Östliche Wirtschaftsforum (EEF) findet vom 1. bis 4. September 2026 an der Far Eastern Federal University auf der Insel Russki statt. Das diesjährige Thema, „Der Ferne Osten: Entwicklung zum Wohle der Menschen“, spiegelt einen Wandel wider: Weg von der reinen Kapitalakquise hin zum Aufbau eines dauerhaften wirtschaftlichen Ökosystems rund um Häfen, Eisenbahnen, Energie, Mineralien, Technologie und neue Städte.
Es werden Vertreter aus mehr als 80 Ländern erwartet. Besonders umfangreiche Wirtschaftsdelegationen kommen aus China, Indien, Indonesien, der Mongolei, Myanmar, Laos und anderen ASEAN-Staaten, während spezielle Wirtschaftsdialoge mit China, Indien, den VAE, der Mongolei, Vietnam und der ASEAN geplant sind.
Prominentester internationaler Gast wird der indonesische Präsident Prabowo Subianto sein, der voraussichtlich am 3. September im Rahmen eines Arbeitsfrühstücks mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen wird. Indonesiens Teilnahme ist von großer Bedeutung: Jakarta positioniert sich zunehmend als bedeutende Volkswirtschaft des Globalen Südens und als Brücke zwischen Russland und der ASEAN. Russische Beamte haben zudem angedeutet, dass in Wladiwostok neue Abkommen zwischen Russland und Indonesien unterzeichnet werden könnten.
An der zentralen Plenarsitzung am 3. September werden neben Putin auch Prabowo, der mongolische Premierminister Nyam-Osoryn Uchral, der erste Vizepräsident von Myanmar Nyo Saw und der chinesische Vize-Premierminister Ding Xuexiang teilnehmen. Putin wird zudem mehrere bilaterale Treffen mit den Leitern der anwesenden Delegationen abhalten.
China wird zwangsläufig im Mittelpunkt stehen. Über den russisch-chinesischen Wirtschaftsdialog hinaus findet in Wladiwostok am 4. September das achte Russisch-Chinesische Energiewirtschaftsforum statt, bei dem Rosneft-Chef Igor Setschin eine Botschaft Putins an die Teilnehmer übermitteln wird. Energiefragen, grenzüberschreitende Infrastruktur und die Erschließung der Großen Ussuri-Insel werden voraussichtlich eine zentrale Rolle spielen.
Drei Jahre rasant steigender Investitionen
Die Zahlen der vergangenen Foren verdeutlichen, warum Wladiwostok inzwischen mehr als nur ein diplomatisches Schaufenster ist.
Im Jahr 2023 wurden Vereinbarungen im Wert von rund 3,818 Billionen RUB bekannt gegeben. 2024 erreichten 313 Abkommen ein Volumen von ca. 5,57 Billionen RUB. Das Jubiläumsforum zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 2025 brachte einen weiteren Rekord hervor: 358 Abkommen im Wert von 6,058 Billionen RUB, mit mehr als 8.000 Teilnehmern aus 75 Ländern und Territorien. China entsandte die größte ausländische Delegation, gefolgt von der Mongolei, Indien, Japan und Laos.
Zu den Abschlüssen des Jahres 2025 gehörten ein Wasserkraftkomplex in Burjatien für 1,1 Billionen RUB, ein Bergbau- und Verarbeitungsprojekt in der Region Chabarowsk für 650 Milliarden RUB sowie ein Industriecluster in Jakutien für 535,3 Milliarden RUB.
Für 2026 rechnet der stellvertretende Ministerpräsident Juri Trutnew laut Veranstaltern mit mehr als 380 Abkommen, die einen potenziellen Wert von rund 6,5 Billionen RUB erreichen könnten.

Das umfassendere Investitionsprogramm ist noch deutlich größer. Derzeit werden im russischen Fernen Osten mehr als 3.000 Investitionsprojekte im Wert von 13,5 Billionen RUB umgesetzt. Rund 6 Billionen RUB wurden bereits investiert, mehr als 1.000 Unternehmen wurden eröffnet und über 180.000 Arbeitsplätze geschaffen.
Vom Rohstofflieferanten zum eurasischen Tor
Das Forum Wladiwostok 2026 ist besonders wichtig, da sich das Entwicklungsmodell wandelt.
Die Agenda umfasst ein östliches Finanzzentrum, digitale Finanzanlagen und neue Mechanismen für privates Kapital. Technologiesitzungen werden Themen wie Rechenzentren, Industrierobotik und autonomen Transport behandeln. Die Infrastrukturdiskussionen konzentrieren sich auf Häfen, Luftfahrt, Energieunabhängigkeit und nördliche Versorgungsrouten.
Die größte Ambition ist jedoch geografischer Natur.
Russland möchte, dass der Ferne Osten zum Treffpunkt zwischen der Transsibirischen Eisenbahn, der Baikal-Amur-Magistrale, den Pazifikhäfen, China, der Mongolei und dem Nördlichen Seeweg wird. In den letzten Jahren angekündigte Pläne sehen vor, dass die Kapazität der fernöstlichen Häfen bis 2030 um weitere 115 Millionen Tonnen ausgebaut wird, während die Kapazität der Korridore der Transsibirischen Eisenbahn und der BAM bis 2032 um etwa 50 % steigen soll. Gleichzeitig entwickelt Moskau einen Trans-Arktischen Transportkorridor, der Wladiwostok über den Nördlichen Seeweg mit St. Petersburg verbindet.
Ein neues, einheitliches Vorzugsinvestitionsregime für den Fernen Osten und die Arktis soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, während bis 2030 mindestens zehn neue Industrie-, Technologie- und Gewerbeparks in der Region geplant sind.
Dies macht das Treffen in dieser Woche zu mehr als einer weiteren jährlichen Investitionskonferenz. Wladiwostok repräsentiert zunehmend Russlands langfristige wirtschaftliche Neuausrichtung in Richtung Asien.
Für China bietet die Region Ressourcen und Transportkorridore. Für Indien und die ASEAN bietet sie Energie, Mineralien und Zugang zum nördlichen Eurasien. Für Russland selbst liefert sie etwas noch Wichtigeres: eine Wirtschaftsstrategie, in der der Pazifik, die Arktis und der breitere eurasische Kontinent Europa als Hauptrichtung für zukünftiges Wachstum zunehmend ersetzen.




