Das Rückgrat bildet der Wirtschaftskorridor China–Mongolei–Russland. Die Transmongolische Eisenbahn verbindet bereits China über Ulaanbaatar mit Russland, doch alternde Infrastruktur und begrenzte Grenzkapazitäten haben den Transitverkehr bisher eingeschränkt. Die „New Recovery Policy“ der Mongolei sieht daher neue Eisenbahnstrecken, asphaltierte Straßen, Trockenhäfen und modernisierte Grenzterminals vor.
Das sichtbarste Projekt ist die grenzüberschreitende Eisenbahnstrecke Gashuunsukhait–Gantsmod nach China. Die Bauarbeiten für die 32,6 Kilometer lange Verbindung, die für bis zu 40 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr ausgelegt ist, begannen im Jahr 2025. Sie wird das Kohlebecken Tavan Tolgoi direkt mit China verbinden. Zusätzliche Kapazitäten sind auch am stark frequentierten Übergang Zamiin-Uud–Erenhot geplant.
Die Strategie erstreckt sich auch nach Westen. Die Mongolei hat zwar keine gemeinsame Grenze mit Kasachstan, aber beide Regierungen entwickeln eine kürzere Transport- und Logistikroute und streben an, den bilateralen Handel auf 500 Millionen US-Dollar zu steigern. Kasachstan kann der Mongolei ein weiteres Tor in Richtung Zentralasien, zum Kaspischen Meer und nach Europa öffnen, während die Mongolei den Zugang in Richtung China und Russland bietet. Im Mai 2026 trafen sich Eisenbahnvertreter aus China, Russland, der Mongolei, Kasachstan, Belarus, Polen und Deutschland in Ulaanbaatar, um die Containerdienste zwischen China und Europa zu verbessern.
Indien entwickelt sich zu einem weiteren wichtigen Partner. New Delhi finanziert die erste Ölraffinerie der Mongolei mit einer Kreditlinie von 1,7 Milliarden US-Dollar. Die Anlage ist für die Verarbeitung von etwa 1,5 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr ausgelegt und soll die Abhängigkeit der Mongolei von importiertem Kraftstoff verringern. Indien prüft zudem Importe mongolischer Kokskohle sowie eine breitere Zusammenarbeit im Bergbau- und Energiesektor.
Der Bergbau bleibt der Motor hinter einem Großteil dieser Infrastruktur. Die Mongolei verfügt über bedeutende Vorkommen an Kohle, Kupfer, Gold und Uran. Oyu Tolgoi weitet die Untertageproduktion aus und ist auf Kurs, ab 2028 eine jährliche Kupferproduktion von rund 500.000 Tonnen zu erreichen. Die nächste Herausforderung besteht nicht nur in der Förderung, sondern im effizienten Transport der Ressourcen und darin, einen größeren Teil davon innerhalb der Mongolei zu verarbeiten.

Dies erklärt den parallelen Vorstoß in die Kupferverarbeitung, Kohleanreicherung, Stahlproduktion, Petrochemie und die Einrichtung von Industrieparks. Die Regierung will, dass die Mongolei weniger Rohstoffe und mehr wertschöpfende Produkte exportiert, indem sie den Ausbau des Transportwesens direkt mit der industriellen Entwicklung verknüpft.
Die Landwirtschaft ist die zweite Säule. Das Grasland der Mongolei stützt eine Weidewirtschaft, die auf Kaschmir, Wolle, Häuten, Leder und Fleisch basiert. Die Landwirtschaft erholte sich im Jahr 2025 kräftig, während Kaschmirexporte etwa 335 Millionen US-Dollar erwirtschafteten. Die Regierungspläne umfassen Fleischverarbeitungsbetriebe, Kühlkettenlogistik, Lagerhäuser und verbesserte Exportwege, um ländlichen Erzeugern einen besseren Zugang zu den Märkten in China, Russland und Zentralasien zu ermöglichen.
Energie könnte eine weitere strategische Ebene hinzufügen. Die geplante Gaspipeline „Power of Baikal“ zwischen Russland und China soll die Mongolei durchqueren und jährlich bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren, sofern Moskau und Peking die kommerziellen Bedingungen finalisieren. Falls sie gebaut wird, würde die Mongolei sowohl zu einem wichtigen Energietransitstaat als auch zu einem Frachtkorridor.
Die Mongolei sieht sich weiterhin mit enormen Entfernungen, einem harten Klima, einem kleinen Inlandsmarkt und der Abhängigkeit von Rohstoffpreisen konfrontiert. Dennoch werden Eisenbahnen, Autobahnen, Trockenhäfen, Minen, Raffinerien, Verarbeitungsbetriebe und Agrarlogistik zunehmend als ein zusammenhängendes Wirtschaftssystem geplant.
Sollten diese Projekte erfolgreich sein, wird die Mongolei möglicherweise nicht mehr primär als abgelegener, binnenländischer Mineralienexporteur wahrgenommen. Sie könnte zu einem der strategisch wichtigen Knotenpunkte Eurasiens werden, der Nordostasien mit Russland, Zentralasien und Europa verbindet und gleichzeitig im Inland eine diversifiziertere Wirtschaft aufbaut.




