Ein Paket von Verkehrsverträgen im Wert von 462 Millionen Dollar verleiht der Transkaspischen Internationalen Transportroute neuen Schwung. Kasachstan und seine europäischen Partner streben danach, den Mittleren Korridor von einer alternativen Handelsroute in eine dauerhafte Verkehrsader zwischen Asien und Europa zu verwandeln.
Die vier Abkommen wurden im Juni während des Besuchs von Präsident Kassym-Schomart Tokajew in Belgien in Brüssel vorgestellt. Sie decken die Straßeninfrastruktur, die Logistik am Schwarzen Meer, die Containerschifffahrt und die Digitalisierung von Flughäfen ab – eine Mischung, die verdeutlicht, dass sich der Mittlere Korridor über ein reines Eisenbahnprojekt hinaus zu einem breiteren Transport-Ökosystem entwickelt.
Eine der größten Komponenten ist eine Vereinbarung zwischen dem kasachischen Straßenbetreiber QazAvtoZhol und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung für das Straßenprojekt Aktobe–Ulgaisyn. Der 234 Kilometer lange Abschnitt ist Teil des Korridors Westeuropa–Westchina und soll sowohl die inländischen Verbindungen als auch die internationalen Transitkapazitäten verbessern.
Die Tochtergesellschaft von Kazakhstan Temir Zholy, KTZ Express, unterzeichnete zudem eine Vereinbarung mit Midia Marine Terminal zur Entwicklung eines gemeinsamen Projekts im rumänischen Hafen von Midia. Die Verbindung über das Schwarze Meer ist strategisch wichtig, da Fracht, die sich westwärts über das Kaspische Meer und durch den Südkaukasus bewegt, letztlich einen effizienten Zugang zu europäischen Logistiknetzwerken benötigt. Ein separates Abkommen zwischen KTZ Express und A.P. Moller–Maersk zielt auf zusätzlichen Containerverkehr entlang der transkaspischen Route ab.
Das vierte Dokument, geschlossen zwischen dem kasachischen Verkehrsministerium und dem Anbieter von Luftfahrttechnologie SITA, konzentriert sich auf die Digitalisierung staatlicher Flughäfen, einschließlich biometrischer Identifizierung. Obwohl die Luftfahrt kein Kernelement des Mittleren Korridors ist, spiegelt die Vereinbarung Kasachstans umfassenderes Bestreben wider, das Land als multimodales eurasisches Drehkreuz zu modernisieren.

Die Route selbst führt von China durch Kasachstan, über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan und Georgien, bevor sie über das Schwarze Meer oder die Türkei Europa erreicht. Ihr strategischer Wert ist stark gestiegen, da Unternehmen und Regierungen nach diversifizierten Lieferketten zwischen Asien und Europa suchen.
Die Attraktivität ist nicht mehr rein geopolitischer Natur. Das Frachtaufkommen auf dem transkaspischen Korridor hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht, während Investitionen in Häfen, Eisenbahnen, Terminals, Zollsysteme und digitale Dokumentation die Transitzeiten verkürzt haben. Die EU unterstützt den Korridor zudem im Rahmen ihrer Global-Gateway-Strategie, unter anderem durch ein transkaspisches Verkehrsprogramm in Höhe von 30 Millionen Euro sowie Arbeiten im Zusammenhang mit dem Hafen von Aktau und grenzüberschreitenden Verfahren.
Kasachstan steht im Zentrum dieser Transformation. Die EU war bereits der größte Handels- und Investitionspartner des Landes, wobei der bilaterale Handel im Jahr 2025 einen Wert von 45,1 Milliarden Dollar erreichte und die kumulierten Direktinvestitionen der EU 200 Milliarden Dollar überschritten.
Das 462-Millionen-Dollar-Paket wird die Zukunft der eurasischen Logistik nicht allein bestimmen. Der Mittlere Korridor sieht sich weiterhin Engpässen in Häfen, an Grenzübergängen und Umladestationen gegenüber, und seine Wettbewerbsfähigkeit hängt von verlässlichen Fahrplänen und koordinierten Tarifen über mehrere Länder hinweg ab. Die Bedeutung der Brüsseler Abkommen liegt jedoch darin, dass sich die Investitionen von politischen Erklärungen hin zu konkreten Infrastruktur- und Betriebspartnerschaften bewegen.
Für Europa bedeutet dies einen weiteren Zugangsweg nach Zentralasien und China. Für Kasachstan stärkt es eine Ambition, die seit Jahren aufgebaut wird: Nicht einfach nur ein Land zu werden, das von Fracht durchquert wird, sondern eine der zentralen Logistikplattformen, die beide Enden Eurasiens verbindet.




