Südkorea baute seinen wirtschaftlichen Aufstieg auf Schwerindustrie, Automobilen, Elektronik und Halbleitern auf. Nun bereitet sich das Land auf einen weiteren technologischen Übergang vor – mit einem ehrgeizigen nationalen Programm, das einige der schwierigsten wissenschaftlichen Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts umfasst.

Die Regierung stellte am 12. August ihre „Seven Major SEED“-Strategie vor und etablierte damit nationale Projekte in den Bereichen Kernenergie, Fusion und erneuerbare Energien, Quantentechnologie, Raum- und Luftfahrt, Biotechnologie sowie strategische Materialien und Mineralien.

Eines der klarsten Ziele ist das Quantencomputing. Südkorea will bis 2029 einen im Inland produzierten 100-Qubit-Quantenprozessor entwickeln. Obwohl 100 Qubits allein noch keinen kommerziell nutzbaren Quantencomputer garantieren würden, würde das Erreichen einer zuverlässigen Steuerung, eines Fehlermanagements und einer inländischen Produktion die Position Koreas in einer Technologie erheblich stärken, die derzeit von amerikanischen, chinesischen und europäischen Forschungsprogrammen dominiert wird.

Die Ambitionen im Weltraum sind ebenso bedeutend.

Südkorea strebt für 2030 eine robotergestützte Mondlandung an, gefolgt von einer weiteren Mondmission im Jahr 2032. Das Land beabsichtigt zudem, die Satellitenkommunikation zu stärken und bis 2035 ein unabhängiges Satellitenkommunikationsnetz aufzubauen, um die Abhängigkeit von ausländischer Infrastruktur zu verringern.

Die Energieversorgung bildet eine weitere Säule. Seoul will bis 2035 selbst entwickelte kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMRs) einsetzen. SMRs versprechen fabrikmäßig gefertigte Nuklearkomponenten, geringere Einzelinvestitionen und die Möglichkeit, Industrieanlagen und Rechenzentren zu versorgen, ohne traditionelle Kernkraftwerke im Gigawatt-Maßstab errichten zu müssen.

Gleichzeitig hält Südkorea an seinen langfristigen Fusionsambitionen fest, wobei die Regierung technologische Fortschritte für die späten 2030er Jahre anstrebt. Sein bestehender KSTAR-Experimentalreaktor hat das Land bereits zu einem wichtigen Teilnehmer an der internationalen Fusionsforschung gemacht.

Südkorea setzt auf den Mond, Quantencomputing und Kernkraft der nächsten Generation

Das Programm reicht noch weiter in die Biotechnologie hinein. Südkorea plant eine KI-gestützte Biotechnologie-Infrastruktur, zunehmend automatisierte Labore und neue fortschrittliche Therapien. Ein besonders futuristisches Ziel ist die Kommerzialisierung von Brain-Computer-Interface-Produkten bis 2035.

Die Sicherung der für all diese Technologien erforderlichen Materialien wird ebenfalls Teil der Industriepolitik. Seoul plant Investitionen in Höhe von rund 10 Billionen Won in Bezug auf strategische Materialien, Komponenten und Ausrüstung, während gleichzeitig die Vorräte an kritischen Ressourcen aufgestockt werden.

Die Strategie spiegelt einen wichtigen Denkprozess wider.

Südkorea bleibt eine der weltweit stärksten Halbleiterökonomien, wobei Samsung Electronics und SK Hynix zentrale Rollen in den globalen KI-Lieferketten spielen. Doch Seoul möchte nicht, dass die nächste Stufe der nationalen Entwicklung allein von Chips abhängt.

Stattdessen verknüpft das neue Programm Quantencomputing, Nukleartechnologie, Fusion, Raumfahrt, Biotechnologie, erneuerbare Energien und fortschrittliche Materialien zu einer einheitlichen Industriestrategie.

Südkorea geht damit effektiv eine langfristige Wette ein: Die Technologien, die heute teuer und experimentell erscheinen, könnten in den 2030er Jahren zu den Industrien werden, die die nationale Wettbewerbsfähigkeit definieren.