Die Warnsignale sind in Ungarn besonders dramatisch. Im Jahr 2021 erntete das Land rund 6,46 Millionen Tonnen Mais. Die Dürrekatastrophe von 2022 reduzierte die Produktion auf nur noch 2,78 Millionen Tonnen, wobei die Durchschnittserträge auf 3,4 Tonnen pro Hektar einbrachen. Die Produktion erholte sich 2023 auf 6,28 Millionen Tonnen, nur um 2024 erneut auf 5,33 Millionen und 2025 auf 3,89 Millionen Tonnen zu fallen. Unterdessen hat sich die Maisanbaufläche von mehr als 1,05 Millionen Hektar im Jahr 2021 auf rund 737.000 Hektar im Jahr 2025 verringert.
Die Saison 2026 sieht noch schlechter aus. Der MARS-Ernteüberwachungsdienst der Europäischen Kommission prognostiziert für ungarischen Körnermais derzeit Erträge von nur etwa 3,85 Tonnen pro Hektar, was rund 34 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegt. In Teilen der Großen Tiefebene vertrockneten die Pflanzen, bevor die Kornfüllung abgeschlossen war, während einige Felder vorzeitig als Grünfutter geerntet wurden, um überhaupt noch einen Nutzen aus der Kultur zu ziehen. Aktuelle Schätzungen beziffern die ungarische Maisernte auf rund 2,5 Millionen Tonnen – weniger als ein Drittel der Mengen, die noch vor wenigen Jahren routinemäßig erzielt wurden.
Rumänien erzählt eine etwas andere, aber ebenso bedeutsame Geschichte. Es verfügt nach wie vor über die größte Maisfläche in der EU, doch die Produktion ist außerordentlich volatil geworden. Im Jahr 2024 reduzierten Dürre und extreme Hitze die rumänische Maisproduktion um 31,7 % auf etwa sechs Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 verbesserten sich die Bedingungen, und die nationale Ernte 2026 könnte wieder etwa acht Millionen Tonnen erreichen. Doch diese scheinbare Erholung verbirgt einen strukturellen Wandel: Die Landwirte reduzieren die Maisanbauflächen, während Westrumänien in diesem Sommer erneut unter schwerem Hitze- und Feuchtigkeitsstress litt. Rumänien mag zwar Exporteur bleiben, aber sein verlässlicher exportfähiger Überschuss schrumpft.
Dies hat Auswirkungen über die beiden Länder hinaus. Die Europäische Kommission erwartet derzeit, dass die EU-Maisernte im Jahr 2026 auf rund 50,1 Millionen Tonnen sinken wird – ein Tiefstand seit fast zwei Jahrzehnten und etwa ein Fünftel unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre. Analysten gehen davon aus, dass die EU-Maisimporte 2026/27 um 8–9 % steigen werden. Ungarn, traditionell ein Exportland, wird voraussichtlich zunehmend auf importierten Mais angewiesen sein.
Bewässerung kann den Regen nicht einfach ersetzen
Die naheliegende Antwort ist Bewässerung, doch die mathematische Realität ist ernüchternd. Ungarn bewässerte im Jahr 2025 rund 146.000 Hektar – nur ein kleiner Bruchteil seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche. Rumänien hat Pumpstationen und Kanäle aus der sozialistischen Ära wiederaufgebaut, dennoch hat nur eine Minderheit des Ackerlandes praktischen Zugang zu einer zuverlässigen Bewässerung. Selbst dort, wo die Infrastruktur vorhanden ist, kann Dürre die Flusspegel selbst senken. Im Juli fiel der Durchfluss der Donau beim Eintritt nach Rumänien auf den niedrigsten Stand seit 1996, was Einschränkungen erzwang und das Kernproblem verdeutlichte: Bewässerung kann kein unbegrenztes Wasser liefern, wenn das gesamte Einzugsgebiet ausgetrocknet ist.
Die Landwirte beginnen daher, ihre Fruchtfolgen zu ändern. Winterweizen und Gerste nutzen einen Großteil ihrer Feuchtigkeit vor dem heißesten Teil des Sommers. Sonnenblumen vertragen trockene Bedingungen im Allgemeinen besser als Mais, während Sorghum für Futter- und Industriezwecke zunehmend attraktiv werden könnte. Raps und andere Winterkulturen könnten ebenfalls einen größeren Anteil an der Fruchtfolge übernehmen. Das Ergebnis könnte ein allmählicher Rückzug des Maises von Grenzstandorten und seine Konzentration auf tiefgründigere Böden und Betriebe mit verlässlicher Wasserversorgung sein.

Können bessere Saatgüter den Mais retten?
Biotechnologie könnte der andere wesentliche Teil der Lösung sein. Die konventionelle Züchtung hat bereits Maishybriden mit kürzerer Vegetationszeit und höherer Dürretoleranz hervorgebracht. Neue genomische Techniken, einschließlich gezielter Gen-Editierung, könnten die Entwicklung von Pflanzen beschleunigen, die Hitze besser vertragen, weniger Wasser benötigen oder unter kürzeren Wachstumsperioden produktiv bleiben.
Europa hat sich deutlich in diese Richtung bewegt. Im Juni 2026 wurden neue EU-Vorschriften für bestimmte neue genomische Techniken verabschiedet. Pflanzen der Kategorie 1, deren genetische Veränderungen auch natürlich oder durch konventionelle Züchtung entstehen könnten, werden einen deutlich einfacheren Regulierungsweg durchlaufen. Die Verordnung tritt im Juli 2028 vollständig in Kraft und könnte den europäischen Markt für eine viel schnellere Generation klimaresilienter Nutzpflanzen öffnen.
Aber Biotechnologie ist kein Regen im Saatgutsack. Dürretoleranz kann es einer Pflanze ermöglichen, Stress länger zu überstehen und mit weniger Wasser Körner zu bilden; sie kann jedoch keine normale Ernte hervorbringen, wenn die Bodenfeuchtigkeit während der Blüte vollständig verschwindet. Saatgut, Bewässerung, Bodenmanagement, Wasserrückhalt und die Diversifizierung der Kulturen müssen daher Hand in Hand gehen.
Die landwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Mitteleuropas wird wahrscheinlich nicht verschwinden. Ungarn und Rumänien besitzen nach wie vor außergewöhnliche Böden, große Agrarsektoren und einen exzellenten Zugang zu den europäischen und internationalen Getreidemärkten. Was jedoch verschwinden könnte, ist das alte Landwirtschaftsmodell, bei dem Mais auf riesigen Flächen in der Erwartung angebaut wurde, dass der Regen zum benötigten Zeitpunkt fällt.
Die landwirtschaftliche Fragestellung ändert sich daher. Es geht nicht mehr nur darum, wie viel Mais Mitteleuropa produzieren kann. Die Frage lautet zunehmend: Wo ist Mais noch wirtschaftlich sinnvoll – und was sollten die Landwirte dort anbauen, wo er es nicht mehr ist?
Diese Entscheidung, die in den nächsten zehn Jahren auf Millionen von Hektar immer wieder getroffen wird, könnte die Agrarkarte Mitteleuropas grundlegend neu zeichnen.




